Arbeitshandschuhe: Schnittschutz, Chemikalienschutz und Hautschutzplan

Kein Stück Schutzausrüstung wird so oft falsch beschafft wie der Handschuh. Der Grund ist einfach: Ein Handschuh, der gegen mechanische Risiken schützt, schützt nicht gegen Lösemittel — und ein chemikaliendichter Handschuh ist beim Umgang mit scharfkantigem Blech schnell zerschnitten. Wer nur eine Sorte im Lager hat, hat für die Hälfte der Tätigkeiten die falsche.
Die EN ISO 21420 regelt die Grundanforderungen an alle Schutzhandschuhe: Unschädlichkeit, Fingerfertigkeit, Kennzeichnung und Herstellerinformation. Darauf setzen die tätigkeitsbezogenen Normen auf. Für mechanische Risiken gilt die EN 388 mit einem vierstelligen Code für Abrieb, Schnitt (Coup-Test), Weiterreiß- und Durchstichfestigkeit sowie den Buchstaben A bis F für den Schnittwiderstand nach dem TDM-Verfahren. F ist die höchste Stufe. Für Chemikalien- und Mikroorganismenschutz gilt die EN ISO 374 mit Durchbruchzeiten je Prüfchemikalie — hier zählt nicht „chemikaliengeeignet“, sondern der konkrete Stoff und die Tragedauer, die dem Sicherheitsdatenblatt zu entnehmen ist.
Bei Feuchtarbeit und beim Umgang mit Gefahrstoffen kommt der Hautschutz hinzu. Die TRGS 401 verlangt, Hautgefährdungen zu beurteilen und Schutz-, Reinigungs- und Pflegemaßnahmen in einem Hautschutzplan festzulegen, der am Waschplatz aushängt: welches Mittel vor der Arbeit, welche Reinigung danach, welche Pflege am Ende. Flüssigkeitsdichte Handschuhe über längere Zeit zählen selbst als Feuchtarbeit — deshalb sind Tragezeitbegrenzung und Baumwollunterziehhandschuhe Teil der Lösung.
Die DGUV Regel 112-195 „Benutzung von Schutzhandschuhen“ ordnet Auswahl, Bereitstellung, Unterweisung und Pflege ein. Praktisch heißt das: Handschuhkategorien je Tätigkeit im Betrieb festlegen, in der Gefährdungsbeurteilung und Betriebsanweisung dokumentieren, Größen führen (ein zu großer Handschuh ist an der Bohrmaschine eine Gefahr) und einen einfachen Grundsatz durchsetzen — an rotierenden Maschinen mit Einzugsgefahr wird kein Handschuh getragen, wenn die Gefährdungsbeurteilung nichts anderes ergibt.
Was die Vorschrift verlangt
| Norm oder Regel | Inhalt |
|---|---|
| EN 388 | Schutz gegen mechanische Risiken: Abrieb, Schnittfestigkeit, Weiterreißfestigkeit, Durchstichfestigkeit; Schnittwiderstand nach TDM in den Stufen A bis F. |
| EN ISO 21420 | Grundanforderungen an alle Schutzhandschuhe: Unschädlichkeit, Fingerfertigkeit, Größen, Kennzeichnung und Herstellerinformation. |
| EN ISO 374 | Schutz gegen Chemikalien und Mikroorganismen; Durchbruchzeiten je Prüfchemikalie — Auswahl anhand des Sicherheitsdatenblatts. |
| DGUV Regel 112-195 | „Benutzung von Schutzhandschuhen“ — Auswahl, Bereitstellung, Tragezeiten, Pflege und Unterweisung. |
| TRGS 401 | Gefährdung durch Hautkontakt beurteilen; Hautschutzplan mit Schutz-, Reinigungs- und Pflegemitteln; Feuchtarbeit begrenzen. |
Normen und Regeln beschreiben Anforderungen an die Ausrüstung. Ob und in welcher Ausführung sie in Ihrem Betrieb erforderlich ist, ergibt sich aus Ihrer Gefährdungsbeurteilung.
Auswahlkriterien
- Tätigkeiten gruppieren und je Gruppe eine Handschuhkategorie festlegen — mechanisch, chemisch, thermisch, Feuchtarbeit.
- Bei Gefahrstoffen das Sicherheitsdatenblatt heranziehen: Material und Durchbruchzeit müssen zum Stoff passen.
- Schnittschutzstufe an der scharfen Kante ausrichten (Blech, Glas, Fliesen: hohe Stufen A bis F).
- Größen in mehreren Weiten führen; Fingerfertigkeit prüfen, sonst wird der Handschuh abgelegt.
- An rotierenden Maschinen Einzugsgefahr bewerten — dort ist der Handschuh häufig verboten.
- Hautschutzplan nach TRGS 401 aushängen und Unterziehhandschuhe bei flüssigkeitsdichten Modellen vorsehen.
- Einweg- und Mehrweghandschuhe getrennt lagern und Verbrauch nachbestellbar halten.
Typische Gewerke
Passende Vorlagen und Portal-Funktionen
Was bedeuten die Zahlen und Buchstaben auf dem Handschuh?
Der vierstellige Zahlencode der EN 388 nennt Abrieb, Schnittfestigkeit im Coup-Test, Weiterreiß- und Durchstichfestigkeit; höhere Werte bedeuten mehr Widerstand. Der nachfolgende Buchstabe A bis F beschreibt den Schnittwiderstand nach dem TDM-Verfahren, F ist die höchste Stufe.
Reicht ein Handschuh für alle Arbeiten im Betrieb?
Nein. Mechanischer Schutz, Chemikalienschutz und Hitzeschutz sind unterschiedliche Anforderungen; ein Modell erfüllt sie nur selten gemeinsam. Legen Sie je Tätigkeitsgruppe eine Kategorie fest und halten Sie diese Zuordnung in der Gefährdungsbeurteilung fest.
Wie lange darf ein Chemikalienschutzhandschuh getragen werden?
Bis zur Durchbruchzeit für den konkreten Stoff, die dem Datenblatt des Handschuhs und dem Sicherheitsdatenblatt des Stoffes zu entnehmen ist — in der Praxis oft deutlich kürzer als eine Schicht. Nach Kontakt mit dem Stoff gilt die Zeit als angelaufen, auch wenn der Handschuh äußerlich unauffällig aussieht.
Brauchen wir einen Hautschutzplan?
Wenn Hautkontakt mit Gefahrstoffen oder Feuchtarbeit vorkommt, ja. Die TRGS 401 verlangt die Beurteilung der Hautgefährdung und die Festlegung von Schutz-, Reinigungs- und Pflegemitteln; der Plan hängt sinnvollerweise am Waschplatz aus.
Weitere Kategorien
Quellen
- PSA-Benutzungsverordnung (PSA-BV) — gesetze-im-internet.de
- Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) — gesetze-im-internet.de
- DGUV-Regeln und -Informationen — publikationen.dguv.de
- Technische Regeln und ASR — baua.de
Zuletzt aktualisiert: 15. September 2026