Gehörschutz: Auslösewerte 80 und 85 dB(A) richtig umsetzen

Lärmschwerhörigkeit ist eine der häufigsten anerkannten Berufskrankheiten und entsteht schleichend: Sie tut nicht weh, sie fällt erst auf, wenn sie bleibt. Für Handwerksbetriebe ist die Rechenlage überschaubar, weil die Verordnung mit zwei klaren Schwellen arbeitet.
Die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung nennt untere und obere Auslösewerte für den Tages-Lärmexpositionspegel und den Spitzenschalldruckpegel. Bei Erreichen der unteren Werte — 80 dB(A) als Tagesexposition beziehungsweise 135 dB(C) Spitzenpegel — muss der Arbeitgeber geeigneten Gehörschutz bereitstellen und arbeitsmedizinische Vorsorge anbieten. Bei Erreichen der oberen Werte — 85 dB(A) beziehungsweise 137 dB(C) — muss Gehörschutz benutzt werden, ein Lärmminderungsprogramm ist aufzustellen, Lärmbereiche sind zu kennzeichnen und die arbeitsmedizinische Vorsorge wird zur Pflichtvorsorge. Die Werte beziehen sich auf die Belastung ohne Gehörschutz; Vorrang haben ohnehin technische Maßnahmen wie leisere Maschinen, Absaugung mit Schalldämmung oder das Trennen laut arbeitender Bereiche.
Die EN 352 beschreibt in mehreren Teilen Kapselgehörschützer, Gehörschutzstöpsel und Sonderformen wie Helmkapseln oder pegelabhängige Ausführungen und legt die Angabe der Dämmwerte fest. Für die Auswahl kommt es nicht darauf an, möglichst viel zu dämmen, sondern richtig: Überdämmung führt dazu, dass Signale, Warnrufe und Maschinengeräusche nicht mehr wahrgenommen werden — und dass der Gehörschutz heimlich abgesetzt wird. Die DGUV Regel 112-194 „Benutzung von Gehörschutz“ beschreibt das Auswahlverfahren, die Tragezeit und die Unterweisung; Hygiene, Ersatzteile und individuelle Passform gehören dazu.
Praktisch bewährt sich eine Kombination: Kapseln am Helm für kurze laute Arbeiten, Stöpsel mit gleichmäßiger Dämmung für lange Tragezeiten, otoplastische Lösungen für Beschäftigte, die dauerhaft im Lärmbereich arbeiten. Halten Sie fest, welcher Schutz an welcher Maschine gilt, kennzeichnen Sie Lärmbereiche und dokumentieren Sie die Unterweisung — die Tragedisziplin steigt erfahrungsgemäß, sobald sichtbar ist, wo die Grenze verläuft.
Was die Vorschrift verlangt
| Norm oder Regel | Inhalt |
|---|---|
| EN 352 | Gehörschützer: Kapselgehörschützer, Gehörschutzstöpsel, Helmkapseln und pegelabhängige Ausführungen mit angegebenen Dämmwerten. |
| LärmVibrationsArbSchV, untere Auslösewerte | Bei 80 dB(A) Tages-Lärmexpositionspegel bzw. 135 dB(C) Spitzenschalldruckpegel: Gehörschutz bereitstellen, arbeitsmedizinische Vorsorge anbieten. |
| LärmVibrationsArbSchV, obere Auslösewerte | Bei 85 dB(A) bzw. 137 dB(C): Gehörschutz benutzen, Lärmminderungsprogramm aufstellen, Lärmbereiche kennzeichnen, Pflichtvorsorge. |
| DGUV Regel 112-194 | „Benutzung von Gehörschutz“ — Auswahlverfahren, Dämmwirkung, Tragezeit, Hygiene und Unterweisung. |
Normen und Regeln beschreiben Anforderungen an die Ausrüstung. Ob und in welcher Ausführung sie in Ihrem Betrieb erforderlich ist, ergibt sich aus Ihrer Gefährdungsbeurteilung.
Auswahlkriterien
- Belastung ermitteln oder aus Herstellerangaben und Vergleichswerten abschätzen; laute Arbeitsmittel benennen.
- Technische Lärmminderung vorziehen: leisere Verfahren, Kapselung, Trennung von Bereichen.
- Dämmwert passend wählen — nicht maximal: Überdämmung verhindert das Hören von Warnsignalen.
- Tragezeit berücksichtigen: Stöpsel für lange, Kapseln für wechselnde kurze Einsätze.
- Kombination mit Helm und Visier vorab prüfen (Helmkapseln, Bügelabstände).
- Hygiene sichern: Ersatzstöpsel, austauschbare Dichtungsringe, persönliche Zuordnung.
- Lärmbereiche kennzeichnen, Tragepflicht in der Unterweisung festhalten, Vorsorge organisieren.
Typische Gewerke
Passende Vorlagen und Portal-Funktionen
Ab wann muss Gehörschutz getragen werden?
Bereitstellen muss der Arbeitgeber ab Erreichen der unteren Auslösewerte von 80 dB(A) Tagesexposition oder 135 dB(C) Spitzenpegel. Benutzt werden muss der Gehörschutz ab Erreichen der oberen Auslösewerte von 85 dB(A) oder 137 dB(C); dann sind zusätzlich Lärmbereiche zu kennzeichnen.
Ist mehr Dämmung immer besser?
Nein. Zu starke Dämmung kann dazu führen, dass Warnsignale, Zurufe und Maschinengeräusche nicht mehr wahrgenommen werden. Ziel ist ein Restpegel unter dem oberen Auslösewert, ohne die akustische Orientierung zu verlieren.
Brauchen wir Lärmmessungen im Betrieb?
Die Belastung muss ermittelt werden — das kann durch Messung oder durch fachkundige Abschätzung anhand von Herstellerangaben und Vergleichswerten erfolgen. Bei unklaren Ergebnissen oder dauerhaftem Betrieb lauter Maschinen ist eine Messung der belastbarere Weg.
Wie hängen Gehörschutz und arbeitsmedizinische Vorsorge zusammen?
Ab den unteren Auslösewerten ist Vorsorge anzubieten, ab den oberen ist sie Pflichtvorsorge. Termine und Fristen halten Sie in einer Vorsorgekartei fest, damit Nachweise und Nachuntersuchungen nicht auflaufen.
Weitere Kategorien
Quellen
- Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung — gesetze-im-internet.de
- DGUV-Regeln und -Informationen — publikationen.dguv.de
- Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) — gesetze-im-internet.de
Zuletzt aktualisiert: 15. September 2026