Unterweisung Rüttelplatte – Vorlage für Verdichtungsarbeiten
Die Unterweisung Rüttelplatte behandelt das handgeführte Verdichtungsgerät für die Bodenverdichtung im Erd-, Tief- und Straßenbau. Sie erfolgt vor der erstmaligen Verwendung der Maschine und danach in regelmäßigen Abständen, mindestens jährlich (§ 4 DGUV Vorschrift 1), sowie bei wesentlichen Änderungen der Tätigkeit oder der eingesetzten Maschine. Für die Vibrationsseite sind die Werte des § 9 LärmVibrationsArbSchV maßgeblich, weil an der Rüttelplatte Hand-Arm-Vibration über den Führungsholm und Ganzkörper-Vibration über den Untergrund gleichzeitig wirken und getrennt zu beurteilen sind. Für die maschinentypischen mechanischen Gefährdungen sind die Betriebsanleitung des Herstellers und die betriebliche Gefährdungsbeurteilung nach § 5 ArbSchG in Verbindung mit § 3 BetrSichV die Grundlage.
Das steckt im Download
Sie erhalten nach dem Kauf die ZIP-Datei unterweisung-ruettelplatte.zip mit diesen Dateien:
- Wordunterweisung-ruettelplatte.docxUnterweisungsunterlage Rüttelplatte — bearbeitbar in Word(6 Seiten)
- PDFunterweisung-ruettelplatte.pdfDieselbe Unterlage als PDF — druckfertig(6 Seiten)
- WordNachweisteil mit Teilnehmerlistein der Unterweisungsunterlage enthalten — Themenliste und Unterschriftszeilen
Das ist enthalten
- Kippgefahr an Böschungskanten, Grabenrändern und Abbruchkanten; Führen in der Falllinie statt seitlich zur Hangneigung, zulässige Neigung nach Betriebsanleitung
- Quetschstellen zwischen Platte und Wänden, Bordsteinen, Kanteinbauten oder Rohrleitungen; Randbereiche mit kleinerem Gerät oder Handstampfer nachverdichten
- Sicherer Stand am Führungsholm: neben oder hinter der Maschine gehen, kein Mitfahren, freier Bewegungsbereich vor dem Einschalten des Vibrationsantriebs
- Hand-Arm-Vibration mit Auslösewert A(8) = 2,5 m/s² und Expositionsgrenzwert A(8) = 5 m/s² sowie Ganzkörper-Vibration mit Auslösewert A(8) = 0,5 m/s² nach § 9 LärmVibrationsArbSchV
- Lärm nach TRLV Lärm, Teil 3, Anlage 2 und Motorabgase: Kohlenmonoxid bei Benzinmotoren, geprüfter Dieselpartikelfilter nach TRGS 554 in geschlossenen Arbeitsbereichen
- Kranverladung ausschließlich an den Anschlagpunkten des Herstellers, Betankung bei stehendem und abgekühltem Motor, Sicherheitsschuhe der Klasse S3; Nachweisteil mit Unterschriftszeilen
Word (DOCX) und PDF, 6 Seiten
Für wen
Für Tief-, Straßen- sowie Garten- und Landschaftsbaubetriebe, deren Beschäftigte handgeführte Rüttelplatten zur Bodenverdichtung einsetzen.
Grabengeometrie als Schwelle: wann der Rüttelplatteneinsatz kippt
Die TRGS 554 zieht die entscheidende Linie nicht am Bauwerk, sondern an der Grabengeometrie. Nach Anhang 1 Nummer 3.1 Absatz 1 gelten Arbeiten in Schächten oder Baugruben mit einer Grundfläche über 100 Quadratmetern sowie in Gräben und grabenähnlichen Arbeitsräumen, die weniger als schultertief sind, noch als Bauarbeiten im Freien. Nummer 3.2 Absatz 1 ordnet dagegen Baugruben unter 100 Quadratmetern Grundfläche und alle mehr als schultertiefen Gräben den ganz oder teilweise geschlossenen Arbeitsbereichen zu. Für die Rüttelplatte heißt das: Dieselbe Maschine ist eine Handbreit oberhalb zulässig und eine Handbreit darunter begründungspflichtig.
Wie groß der Unterschied ausfällt, zeigt die Expositionsbeschreibung "Einsatz von Stampfern und Rüttelplatten im Freien" der BG BAU vom April 2020. Beim ebenerdigen Betrieb benzinbetriebener Rüttelplatten lag der höchste gemessene Kohlenmonoxidwert bei 15,3 Milligramm je Kubikmeter. In einem 1,5 Meter breiten, 2 Meter tiefen und 15 Meter langen Versuchsgraben ergaben 43 Messwerte derselben Gerätegattung dagegen einen 95-Prozent-Wert von 60,0 und einen Höchstwert von 93,0 Milligramm je Kubikmeter. Der Betrieb im Graben verschiebt die Belastung damit um eine Größenordnung, ohne dass sich an der Maschine selbst etwas ändert.
Bei dieselbetriebenen Rüttelplatten verschiebt sich die Leitkomponente auf die Dieselrußpartikel. Im selben Versuchsgraben ergaben zwölf Messungen einen 95-Prozent-Wert von 0,078 Milligramm je Kubikmeter; eine Baustellenmessung in einem 2 Meter tiefen Graben lieferte 2010 über 30 Minuten sogar 3,5 Milligramm je Kubikmeter. Die BG BAU führt deshalb eine Empfehlungsliste für den Einsatz von Rüttelplatten und Stampfern in mehr als schultertiefen Gräben im Freien, die jedes freigegebene Gerät den konkret geprüften Grabenabmessungen zuordnet, etwa 2 Meter tief bei 1 Meter Breite und 4 Meter Länge.
Kohlenmonoxid: Wirkmechanismus, Grenzen der Lüftung, Grenzen des Atemschutzes
Kohlenmonoxid wirkt nicht reizend, sondern verdrängend. Nach der Expositionsbeschreibung der BG BAU bindet es rund 200-mal stärker an Hämoglobin als Sauerstoff und unterbindet dadurch den Sauerstofftransport im Blut; es wirkt zugleich neurotoxisch, kardiotoxisch und embryotoxisch. Je nach Konzentration folgen Kopfschmerzen und Übelkeit, dann Bewusstlosigkeit bis hin zum Erstickungstod. Als Spätfolgen sind Apathie, Psychosen, Sprachstörungen und Amnesie beschrieben. Die TRGS 900 führt den Stoff zusätzlich mit der Bemerkung Z, weil eine fruchtschädigende Wirkung auch unterhalb des Arbeitsplatzgrenzwertes nicht auszuschließen ist.
Die naheliegende Antwort, im Graben einfach zu lüften, trägt weniger weit als erwartet. Bei den Simulationsmessungen von 2003 und 2004 sanken die personengetragenen Kohlenmonoxidwerte durch Gebläse und Absaugungen nur von einem 95-Prozent-Wert von 214 auf 195 Milligramm je Kubikmeter; die BG BAU bewertet eine Grenzwerteinhaltung damit ausdrücklich als nicht gewährleistet. Auch der Wechsel auf Alkylatbenzin bringt keine messbare Reduktion. Umgekehrt gilt: Eine Anreicherung über die Arbeitszeit war nicht feststellbar, nach dem Abschalten des Motors fielen die Konzentrationen innerhalb weniger Sekunden ab.
Persönlicher Atemschutz ist gegen Kohlenmonoxid kaum praktikabel: CO-Filter haben sehr kurze Standzeiten, sind meist nur als Kombinationsfilter verfügbar und weisen einen hohen Atemwiderstand auf. Für dieselbetriebene Rüttelplatten sieht die BG BAU dagegen Halbmasken mit P3-Filter bei Baujahren vor 2011 und mit P2-Filter ab Baujahr 2011 vor. Da belastende persönliche Schutzausrüstung nach § 7 Absatz 5 Satz 2 GefStoffV keine Dauermaßnahme sein darf, ist für einen solchen Dauerbetrieb eine Ausnahme bei der zuständigen Behörde zu beantragen — praktisch ein Argument für Akkugeräte, ferngesteuerte Platten oder Anbauverdichter.
Hangbetrieb, Grabenrand und Transport der Maschine
Für den Betrieb an geneigten Flächen nennen die Betriebsanleitungen der Wacker-Neuson-Vibrationsplatten eine maximal zulässige Schräglage von 25 Grad, die nur kurzzeitig ausgenutzt werden darf. Wird sie überschritten, fällt die Motorschmierung aus, was einen Defekt wichtiger Motorteile nach sich zieht; die Grenze ist also keine bloße Vorsichtsangabe. Ergänzend gilt die Anfahrregel, Steigungen ausschließlich von unten anzufahren, weil eine bergauf problemlos bewältigte Steigung auch bergab beherrschbar bleibt. Der Bediener hat oberhalb des Geräts zu stehen und niemals in dessen Fallrichtung.
Am Grabenrand entscheidet die Flächenordnung über die Standsicherheit. Die DGUV Information 201-052 verlangt an Rohrleitungsgräben und Gruben mindestens 0,60 Meter breite, möglichst waagerechte Schutzstreifen, die von Aushubmaterial und Gegenständen freizuhalten sind; nur bei Gräben bis 0,80 Meter Tiefe darf eine Seite entfallen. Gräben über 1,25 Meter Tiefe sind ausschließlich über Leitern oder Treppen zu betreten. Der Verbau ist unter anderem nach Erschütterungen zu kontrollieren — und Verdichtungsarbeiten sind genau eine solche Erschütterungsquelle, ebenso wie sie Schäden an nahen Bauwerken auslösen können.
Vor dem Verladen ist der Motor abkühlen zu lassen und die Deichsel in ihrer Arretierung einzurasten; gehoben und gezurrt wird ausschließlich an den in der Betriebsanleitung genannten Anschlag- und Verzurrpunkten. Straßenseitig verlangt § 22 Absatz 1 StVO eine Sicherung, die selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung hält; der Bußgeldkatalog setzt dafür unter Nummer 102.1 bei Lastkraftwagen 60 Euro an, mit Gefährdung 75 Euro, unter Nummer 102.2 bei anderen Kraftfahrzeugen 35 Euro. Beim Betanken darf kein Kraftstoff auf heiße Teile gelangen, und der Bereich um den Auspufftopf ist von trockenem Laub und Papier freizuhalten.
| Kenngröße | Wert | Quelle | Bedeutung im Rüttelplatteneinsatz |
|---|---|---|---|
| Kohlenstoffmonoxid | 20 ml/m³ bzw. 23 mg/m³, Überschreitungsfaktor 3(II) | TRGS 900 | Leitkomponente bei Benzin- und Gasmotoren |
| Dieselmotoremissionen (Dieselrußpartikel als elementarer Kohlenstoff) | 0,05 mg/m³, alveolengängige Fraktion | TRGS 900 | Leitkomponente bei Dieselmotoren |
| Stickstoffmonoxid / Stickstoffdioxid | 2,5 mg/m³ (2 ml/m³) bzw. 0,95 mg/m³ (0,5 ml/m³) | TRGS 900 | bei den Grabenmessungen der BG BAU durchgängig eingehalten |
| Zehenschutzkappe im Sicherheitsschuh | geprüft mit 200 Joule bzw. 15 Kilonewton | DGUV Regel 112-191, DIN EN ISO 20345 | Obergrenze der Schutzwirkung am Fuß |
| Aschereinigung des selbstregenerierenden Dieselpartikelfilters | nach 500 Stunden Motorlaufzeit | BG BAU, BauPortal 3/2023 | Wartungsfrist, Ausbau durch den Betreiber möglich |
| Schutzstreifen an Graben- und Grubenrändern | mindestens 0,60 Meter, freizuhalten | DGUV Information 201-052 | Standfläche beim Führen der Maschine am Rand |
Häufige Fragen
- Wie oft ist zur Rüttelplatte zu unterweisen?
- Vor der erstmaligen Verwendung der Maschine und danach in regelmäßigen Abständen, mindestens jährlich (§ 4 DGUV Vorschrift 1), außerdem bei wesentlichen Änderungen der Tätigkeit oder der eingesetzten Maschine. Für die Vibrationsseite fordert § 11 Absatz 1 LärmVibrationsArbSchV die Unterweisung ebenfalls vor Aufnahme der Tätigkeit, hinzu kommt § 12 BetrSichV für die Verwendung des Arbeitsmittels. Inhalt und Zeitpunkt sind zu dokumentieren und von den Unterwiesenen durch Unterschrift zu bestätigen.
- Welche Vibrationswerte gelten an der Rüttelplatte?
- Beurteilt wird der Tages-Vibrationsexpositionswert A(8). Für Hand-Arm-Vibrationen liegt der Auslösewert bei A(8) = 2,5 m/s² und der Expositionsgrenzwert bei A(8) = 5 m/s² (§ 9 Absatz 1 LärmVibrationsArbSchV). Für Ganzkörper-Vibrationen gelten ein Auslösewert von A(8) = 0,5 m/s² sowie Expositionsgrenzwerte von A(8) = 1,15 m/s² in X- und Y-Richtung und A(8) = 0,8 m/s² in Z-Richtung (§ 9 Absatz 2). Oberhalb der Auslösewerte ist ein Maßnahmenprogramm nach § 10 Absatz 4 auszuarbeiten.
- Gibt es eine DGUV-Information speziell für Rüttelplatten?
- Für die mechanischen Gefährdungen der Rüttelplatte – Kippen, Quetschen, sicheres Führen – stützt sich diese Unterlage auf die Betriebsanleitung des Herstellers und die betriebliche Gefährdungsbeurteilung nach § 5 ArbSchG in Verbindung mit § 3 BetrSichV. Welche Neigung im Einsatz noch zulässig ist, richtet sich nach dem jeweiligen Maschinenmodell und ist der Betriebsanleitung zu entnehmen. Die Gefährdungsbeurteilung legt fest, welche der beschriebenen Maßnahmen im konkreten Einsatzfall zusätzlich erforderlich sind.
- Was ist beim Einsatz in Gräben und Schächten zu beachten?
- Benzinmotoren setzen Kohlenmonoxid frei, das farb- und geruchlos ist und sich in Gräben, Schächten oder Kellern unbemerkt anreichern kann; Dieselmotoren emittieren krebserzeugende Rußpartikel und Stickoxide. Geräte mit Verbrennungsmotor sollen dort möglichst nicht betrieben werden. Ist der Einsatz unvermeidbar, ist für ausreichende technische Lüftung zu sorgen oder auf akku- beziehungsweise elektrobetriebene Ausführungen auszuweichen. Dieselbetriebene Geräte dürfen nach TRGS 554 in ganz oder teilweise geschlossenen Arbeitsbereichen nur mit geprüftem Dieselpartikelfilter laufen.
- Schützen Sicherheitsschuhe, wenn die Rüttelplatte über den Fuß läuft?
- Nein, und das ist eine verbreitete Fehlannahme. Sicherheitsschuhe nach DIN EN ISO 20345 tragen nach DGUV Regel 112-191 Zehenkappen, deren Schutzwirkung mit einer Prüfenergie von 200 Joule beziehungsweise einer Druckkraft von 15 Kilonewton nachgewiesen wird. Handgeführte Vibrationsplatten der 160- bis 215-Kilogramm-Klasse erzeugen laut Betriebsanleitung Zentrifugalkräfte von 25 bis 37 Kilonewton, große Maschinen mit 750 Kilogramm Betriebsgewicht bis zu 100 Kilonewton. Die Kappe deckt herabfallende Gegenstände und das Einklemmen des Vorderfußes ab, nicht das Überfahren durch das laufende Gerät. Wirksam sind allein Abstand, Führungstechnik und die Wahl eines kleineren Geräts für beengte Randbereiche. Eine Zehenkappe, die sich bereits verformt hat, ist ablegereif, weil ihre Resthöhe nicht mehr gewährleistet ist.
- Welche Bußgelder drohen, wenn im mehr als schultertiefen Graben ohne Schutzmaßnahmen verdichtet wird?
- Der Weg führt hier über das Gefahrstoffrecht, nicht über die Betriebssicherheitsverordnung. § 22 Absatz 1 GefStoffV benennt die Tatbestände, die nach § 26 Absatz 1 Nummer 8 Buchstabe b des Chemikaliengesetzes ordnungswidrig sind; § 26 Absatz 3 ChemG sieht dafür eine Geldbuße bis zu 50.000 Euro vor. Einschlägig sind unter anderem die nicht dokumentierte Gefährdungsbeurteilung (§ 6 Absatz 8 Satz 1), das Verwenden belastender persönlicher Schutzausrüstung als Dauermaßnahme (§ 7 Absatz 5 Satz 2), die fehlende schriftliche Betriebsanweisung (§ 14 Absatz 1 Satz 1) und die unterbliebene mündliche Unterweisung (§ 14 Absatz 2 Satz 1). Wird durch eine vorsätzliche Handlung dieser Art Leben oder Gesundheit eines anderen gefährdet, greift § 27 Absatz 2 ChemG mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren, bei Fahrlässigkeit bis zu zwei Jahren. Zuständig ist die nach Landesrecht bestimmte Behörde.