Unterweisung Formatkreissäge – Vorlage für Schiebetisch und Vorritzaggregat
Formatkreissägen (Schiebetisch-Kreissägen) gehören zu den Maschinen mit dem höchsten Unfallrisiko in Tischlerei- und Schreinerbetrieben; typisch sind Schnitt- und Quetschverletzungen an Fingern und Händen sowie Rückschläge des Werkstücks bei falsch eingestelltem Spaltkeil oder Anschlag. Zu erteilen ist die Unterweisung tätigkeitsbezogen vor dem ersten Einsatz an der Maschine, danach ist sie mindestens einmal jährlich zu wiederholen (§ 12 Abs. 1 BetrSichV, § 4 Abs. 1 DGUV Vorschrift 1). Ist die Verwendung mit besonderen Gefährdungen verbunden, darf die Maschine nur von hierzu beauftragten Beschäftigten verwendet werden (§ 12 Abs. 3 BetrSichV). Fachliche Grundlage der Unterlage ist das DGUV Fachbereich AKTUELL FBHM-104 „Tisch- und Formatkreissägemaschinen — Bau und Ausrüstung zum sicheren Verwenden“ (Ausgabe 11/2019) zusammen mit der DGUV Regel 109-606, Abschnitt 3.1.1.
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- Wordunterweisung-formatkreissaege.docxUnterweisungsunterlage Formatkreissäge — bearbeitbar in Word(6 Seiten)
- PDFunterweisung-formatkreissaege.pdfDieselbe Unterlage als PDF — druckfertig(6 Seiten)
- WordNachweisteil mit Teilnehmerlistein der Unterweisungsunterlage enthalten — Themenliste und Unterschriftszeilen
Das ist enthalten
- Sichtprüfung vor jeder Verwendung nach § 4 Abs. 5 BetrSichV: Spaltkeil, Schutzhaube, Vorritzaggregat, Anschläge, Schiebetisch mit Tischsperre, Absauganschluss und Prüfplakette
- Spaltkeil mindestens so dick wie der Sägeblattgrundkörper und nicht dicker als die Schnittfuge, Abstand zum Sägeblatt maximal 8 mm, Höheneinstellung rund 2 mm unter dem höchsten Sägezahn
- Getrennt vom Spaltkeil befestigte Schutzhaube bei Sägeblattdurchmesser über 315 mm; Abdeckung auch des gegenläufig drehenden Vorritzsägeblatts gegen Ausrisse an beschichteten Platten
- Schiebetisch: Blockierung, sobald das hintere Ende die Mitte des Hauptsägeblatts erreicht, sowie Einstellung von Quer-, Winkel- und Parallelanschlag und Einsatz von Schiebestock und Schiebeholz
- Absaugmaße nach TRGS 553 Anhang 2 bei 20 m/s: bis 250 mm Gesamtanschluss 100 mm und mindestens 560 m³/h, bis 315 mm 120 mm und 820 m³/h, über 315 mm 140 mm und 1.110 m³/h
- Gehörschutz bei über 85 dB(A) Emissionsschalldruckpegel nach § 6 LärmVibrationsArbSchV, Prüfung durch eine befähigte Person und Einsatz Jugendlicher nach § 22 JArbSchG; Nachweisteil mit Unterschriftszeilen
Word (DOCX) und PDF, 6 Seiten
Für wen
Für Tischlereien, Schreinereien und Möbelbaubetriebe, deren Beschäftigte Platten und Massivholz an der Formatkreissäge auf Maß bringen.
Schiebetisch, Queranschlag und Werkstückauflage beim Ablängen großer Platten
Die Formatkreissägemaschine unterscheidet sich von der Tischkreissäge durch den links vom Sägeblatt liegenden, bis an das Sägeblatt reichenden Schiebetisch, der das Werkstück trägt, statt es über den feststehenden Maschinentisch schieben zu lassen. Der Queranschlag ist deshalb bei der Formatkreissäge am Schiebetisch befestigt und nicht beweglich am Maschinentisch angebracht. Er muss so befestigt sein, dass er sich während der Benutzung weder aushebt noch herausfällt. Ist er in der Länge verstellbar, muss der Bereich, der mit dem Sägeblatt in Berührung kommen kann, leicht zerspanbar ausgeführt sein (DGUV Fachbereich AKTUELL FBHM-104, Abschnitte 1 und 2.8).
Beim Ablängen langer Platten entscheidet die Werkstückauflage über die Beherrschbarkeit des Schnitts. Die Tischverlängerung soll verhindern, dass lange Werkstücke während der Bearbeitung und danach abkippen; für überlange Teile ist eine zusätzliche, mit der Maschine verbundene Verlängerung erforderlich. Alleinstehende Rollböcke ersetzen eine vollflächige Tischverlängerung nicht, weil sie stets auf die jeweilige Werkstücklänge positioniert werden müssen. Wird am Queranschlag geschnitten und dient dabei ein nicht zurückziehbarer Parallelanschlag als Anschlagpunkt, ist ein Hilfsanschlag erforderlich, dessen hintere Kante etwa zwei Zentimeter vor dem Sägeblatt endet (FBHM-104, Abschnitte 2.7.1 und 2.9).
Für das Besäumen roher Kanten fordert FBHM-104 an Formatkreissägen einen Besäumniederhalter, der gut zugänglich in der Nähe der Maschine bereitliegen muss; eine Sägehilfe wird zusätzlich empfohlen. Die DGUV Regel 109-606 nennt je nach Arbeitsgang außerdem Abweisleisten, Niederhalter und die Besäumhilfe. Der Gefahrbereich reicht nach Abbildung 3.1.1-01 dieser Regel 120 Millimeter um das Sägeblatt, und der Arbeitsgang ist so zu planen, dass nicht hineingegriffen werden muss. Den Gefahrbereich vor der Maschine zeigt die Regel als rot-weiß gekennzeichnete Bodenfläche.
Das Vorritzaggregat als zweiter Antrieb: Einstellung und Rüstvorgänge
Sobald neben dem Hauptsägeblatt ein Vorritzaggregat vorhanden ist, hat die Maschine mehr als einen Antrieb. Damit ist nach FBHM-104 eine Not-Halt-Befehlseinrichtung zum Stillsetzen im Notfall erforderlich; dasselbe gilt bei motorischer Achsenverstellung für Neigung und Höhe des Sägeblatts oder für den Parallelanschlag sowie bei Stellteilen an mehreren Positionen. Sind die Stellteile nur an einer Stelle angebracht, darf das Stellteil zum Ausschalten diese Funktion übernehmen, muss dann aber leicht erkennbar und schnell erreichbar sein. Die DGUV Regel 109-606 hält den Not-Aus für Maschinen mit mehr als einem Antrieb ebenso fest.
Die Ritzbreite muss zur Schnittfuge des Hauptsägeblatts passen, sonst bleibt an der Unterseite eine Stufe stehen oder das Werkstück wird zweimal angeschnitten. Herstellerangaben zu verstellbaren Vorritzaggregaten nennen eine Rasterung von 0,05 Millimetern je Markierung; die eingestellte Breite lässt sich nur über einen Probeschnitt kontrollieren, Höhe und seitliche Lage werden getrennt verstellt. Das Vorritzsägeblatt hat einen kleineren Durchmesser als das Hauptsägeblatt, sein Stammblatt ist aber dicker. Im Bereich des Vorritzsägeblatts besteht nach der Betriebsanleitung Schneid- und Quetschgefahr; Zugriffe im Normalbetrieb sind untersagt.
Vor dem Verstellen der kraftbetätigten Achsen, also Sägeblatthöhe, Schwenkung sowie Parallel- und Winkelanschlag, sind sämtliche Werkstücke vom Maschinentisch zu entfernen (BGHM Arbeitsschutz Kompakt Nr. 060). Der Sägeblattwechsel erfolgt an Formatkreissägen über einen seitlichen Zugang, der bei neuen Maschinen mit dem Sägeaggregat verriegelt ist. Fehlt diese Verriegelung an älteren Maschinen, ist organisatorisch und personenbezogen sicherzustellen, dass nur bei abgeschalteter Maschine gewechselt wird, etwa über einen abschließbaren Hauptschalter. Eine vorhandene Einrichtung zum Überfahren der Schiebetischsperre ist bei neuen Maschinen mit dem Sägeblattantrieb verriegelt.
Verdeckte Schnitte, Nutarbeiten und die Grenzen zulässiger Ersatzmaßnahmen
Ein Arbeiten ohne eine über dem Sägeblatt positionierte und bis auf das Werkstück abgesenkte Schutzhaube oder gar mit demontiertem Schutzhaubenträger ist nach FBHM-104 grundsätzlich nicht zulässig. Verdecktschnitte, bei denen das Werkzeug im Werkstück verschwindet, sind an Maschinen mit am Spaltkeil befestigter Haube nur erlaubt, wenn für diesen Arbeitsgang eine besondere Schutzeinrichtung bereitgestellt wird, die das Werkzeug von oben verdeckt. Die Haube ersatzlos abzunehmen und den Arbeitsgang trotzdem auszuführen, deckt diese Ausnahme ausdrücklich nicht ab.
Für Nutarbeiten gilt eine eigene Grenze: Mit Sägeblättern ohne Spaltkeil sind sie unzulässig, und an Maschinen, an denen sich der Spaltkeil nicht unterhalb des höchsten Sägezahns einstellen lässt, ist das Nuten von Werkstücken nicht erlaubt. Nutfräswerkzeuge dürfen nur an Maschinen eingesetzt werden, die der Hersteller dafür vorgesehen hat und die mit einer nicht am Spaltkeil befestigten Schutzhaube ausgerüstet sind; geeignet sein müssen sie zudem für Handvorschub. Für den Einsatz von Nutwerkzeugen muss eine geeignete auswechselbare Tischeinlage vorhanden sein.
FBHM-104 lässt es zu, im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung Ersatzmaßnahmen zu dem beschriebenen Stand der Technik festzulegen, zeigt aber auch deren Preis. Für eine Maschine ohne begrenzte Auslaufzeit kombiniert das dort dargestellte Beispiel eine absenkbare, vom Spaltkeil getrennte Schutzhaube mit organisatorischen Vorgaben: keine Auszubildenden an der Maschine, Absenken der Haube auf den Maschinentisch nach jedem Stillsetzen, ein Hinweis an der Maschine auf die verlängerte Auslaufzeit und Wirksamkeitskontrollen in kurzen Intervallen. Das Fazit der Schrift lautet, dass für dieses Schutzniveau ein hoher Aufwand zu betreiben ist.
| Gegenstand | Vorgabe | Grundlage |
|---|---|---|
| Tischverlängerung, gemessen ab der Sägeblattachse | mindestens 1.200 mm bei Sägeblattdurchmesser über 315 mm, mindestens 800 mm bei 315 mm und darunter | FBHM-104, Abschnitt 2.9 |
| Hohe Führungsfläche des Anschlags | mindestens 90 mm über 315 mm, 50 mm bis 315 mm, 30 mm bis 200 mm Sägeblattdurchmesser; niedrige Führungsfläche 5 bis 15 mm | FBHM-104, Abschnitt 2.7.2 |
| Queranschlag im Bereich unter der Schutzhaube | höchstens 30 mm hoch | FBHM-104, Abschnitt 2.8 |
| Auslaufzeit des Sägeblatts | höchstens 10 Sekunden; Bremsvorrichtung seit dem 1. Januar 1982 gefordert | FBHM-104, Abschnitt 2.6 |
| Sägeblätter | Ausführung nach EN 847-1; Kreissägeblätter aus hochlegiertem Schnellarbeitsstahl (HSS) unzulässig | FBHM-104, Abschnitt 2.12 |
| Wirksamkeitsprüfung der technischen Schutzmaßnahmen | regelmäßig, mindestens jedes dritte Jahr; Ergebnis aufzeichnen und aufbewahren | § 7 Absatz 7 GefStoffV |
Häufige Fragen
- Wie oft ist an der Formatkreissäge zu unterweisen?
- Vor dem ersten Einsatz an der Maschine und danach in jährlichem Abstand (§ 12 Abs. 1 BetrSichV, § 4 Abs. 1 DGUV Vorschrift 1). Festgehalten werden schriftlich das Datum jeder Unterweisung und die Namen der Unterwiesenen. Für Jugendliche verkürzt sich der Abstand auf mindestens halbjährlich (§ 29 Abs. 2 JArbSchG). Zusätzlich ist eine schriftliche Betriebsanweisung bereitzustellen; die Betriebsanleitung des Herstellers kann sie ersetzen, wenn sie entsprechende Angaben enthält (§ 12 Abs. 2 BetrSichV).
- Wozu dient das Vorritzaggregat und wie ist es abzudecken?
- Das gegenläufig drehende Vorritzsägeblatt schneidet die untere Deckschicht des Werkstücks — etwa bei beschichteten Platten oder furnierten Bauteilen — an, bevor das Hauptsägeblatt das Material durchtrennt. Dadurch werden Ausrisse und Absplitterungen an der Werkstückunterseite vermieden. Bei Maschinen mit Vorritzaggregat muss die Schutzhaube auch das Vorritzsägeblatt mit abdecken (DGUV Fachbereich AKTUELL FBHM-104). Ab einem Sägeblattdurchmesser über 315 mm ist die Schutzhaube getrennt vom Spaltkeil zu befestigen.
- Welche Absauganschlüsse und Volumenströme nennt die TRGS 553?
- Anhang 2 der TRGS 553 gibt für eine absaugbare Schutzhaube mit Absaugung unter dem Tisch bei 20 m/s Richtwerte vor: bis 250 mm Sägeblattdurchmesser und bis 2,5 kW ein Gesamtanschluss von 100 mm mit mindestens 560 m³/h, bis 315 mm ein Gesamtanschluss von 120 mm mit 820 m³/h und über 315 mm ein Gesamtanschluss von 140 mm mit 1.110 m³/h. Die Funktion der Anlage ist mindestens jährlich einschließlich Messung der Luftgeschwindigkeit zu prüfen.
- Wann ist an der Formatkreissäge Gehörschutz zu tragen?
- An Tisch- und Formatkreissägemaschinen ist mit einem Emissionsschalldruckpegel von mehr als 85 dB(A) zu rechnen (DGUV Regel 109-606, Abschnitt 3.1.1). Damit wird regelmäßig der obere Auslösewert der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung überschritten, sodass Gehörschutz zu tragen ist (§ 6 LärmVibrationsArbSchV). Hinzu kommen Schutzbrille und eng anliegende Kleidung ohne lose Enden, bei der Handhabung größerer Platten zusätzlich Sicherheitsschuhe.
- Wie ist die Absaugung an der Formatkreissäge auszulegen, wenn überwiegend Hartholz zugeschnitten wird?
- Erfasst wird an zwei Stellen: unter dem Tisch das Staub-Späne-Gemisch, das die Sägezähne nach unten transportieren, und an der Schutzhaube der Feinstaub aus dem Rückschnitt, der entsteht, wenn die Zähne wieder aus dem Tisch auftauchen. Dieser Anteil ist überwiegend einatembar. Für Sägeblätter ab 400 Millimetern Durchmesser nennt FBHM-104 einen Gesamtanschluss von 160 Millimetern und 1.450 Kubikmeter je Stunde. Der Gesamtabsaugquerschnitt muss mindestens der Summe der Einzelquerschnitte entsprechen (DGUV Information 209-044). Stäube von Eiche, Buche, Ahorn, Birke oder Esche sind nach TRGS 906 als krebserzeugend eingestuft (DGUV Information 209-042). In gekennzeichneten Arbeitsbereichen darf abgesaugte Luft daher nicht zurückgeführt werden, solange sie nicht nach anerkannten Verfahren ausreichend gereinigt ist (§ 10 Absatz 2 GefStoffV); ein Verstoß kann über § 22 Absatz 1 Nummer 16 GefStoffV und § 26 Absatz 1 Nummer 8 Buchstabe b, Absatz 3 ChemG mit bis zu 50.000 Euro geahndet werden.
- Wer darf die Formatkreissäge selbstständig bedienen, und was gilt für Auszubildende?
- Die DGUV Regel 109-606 zählt das selbstständige Arbeiten an Holzbearbeitungsmaschinen zum Sägen, bei denen das Werkstück frei von Hand geführt wird, zu den Arbeiten, mit denen Jugendliche nicht beschäftigt werden dürfen. Die Ausnahme greift nur, wenn alle drei Bedingungen zusammentreffen: Die Arbeiten sind zur Erreichung des Ausbildungsziels erforderlich, der Schutz ist durch die Aufsicht einer fachkundigen Person gewährleistet, und der Luftgrenzwert bei gefährlichen Stoffen wird unterschritten. Bei gefährlichen Arbeiten ist ohnehin eine zuverlässige, mit der Arbeit vertraute Person mit der Aufsicht zu betrauen. Wer einen Jugendlichen entgegen § 22 Absatz 1 JArbSchG beschäftigt, handelt ordnungswidrig; der Rahmen reicht nach § 58 Absatz 4 JArbSchG bis 30.000 Euro, bei vorsätzlicher Gefährdung von Gesundheit oder Arbeitskraft sieht § 58 Absatz 5 Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe vor.